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Aus Bokels Geschichte – das Wichtigste in Kürze
Lage und Größe
Die Gemeinde Bokel ist ein Dorf auf der Geest im Südwesten des Landkreises Cuxhaven. Sie erstreckt sich beidseits eines Teilstückes der L 134, zwischen der B 71 und der L 135, etwa von der Billerbeck bis zur Gackau.
Zu dem Dorf zählen die vier Ortsteile Haßbüttel, Kransmoor, Langenfelde und Seebeck. Bis 1926 gehörte als fünfter Ortsteil auch Stubben (das Gebiet um die ehemalige Post und Molkerei) zur Gemeinde Bokel. Seit 1971 ist Bokel Mitglied der Samtgemeinde Beverstedt. Die Feldmark ist 2095 ha groß und umfasst ungefähr 25 km Straßen und 25 km Wege.
Entwicklung
Bokel gehört zu den ältesten Siedlungen unserer Geest und wurde urkundlich erstmals im Jahre 1110 als „Bochla“ (Buchenwald) erwähnt. Jahrhundertelang bildeten ein Teil der Hauptstraße sowie der Bock- und der Mühlenstraße das eigentliche Dorf. Nach dem 30jährigen Krieg (1618 – 48) erfolgte die Besiedlung des Brinks. Der Sage nach soll dort der Schrecken der ganzen Gegend, der „rote Paul von Bokel“, gehaust haben, ein listiger und verschlagener Räuber.
Die Großen und häufig recht unerfreulichen Ereignisse der Weltgeschichte sind von den Bokelern in der Regel ziemlich ruhig überstanden worden. Als zur Zeit der Befreiungskriege (um 1813) in vielen Orten die Bürger zu den Waffen griffen, um es den Franzosen „heimzuzahlen“, wäre es auch in Bokel fast zu einem Aufstand gekommen. Dem besonnenen Handeln des damaligen Lehrers Fricke war es zu verdanken, dass die zum Kampfe entschlossenen Einwohner ihre Flinten, Hellebarden, Schwerter, Heugabeln und Dreschflegel wieder friedlich aus der Hand legten und 500 Franzosen unbehelligt durch den Ort ziehen ließen.
Das Dorf entwickelte sich langsam von 21 Feuerstellen im Jahr 1534 bis auf 79 Feuerstellen im Jahr 1821. Die Bewohner trieben ursprünglich fast alle Ackerbau und Viehzucht und waren noch bis Mitte des 19. Jhs. den damaligen Grundherren gegenüber abgabenpflichtig. 1841 begannen die letzten Ablösungen und 1844 die Gesamtteilungen der Feldmark.
Mit der „wilden“ Besiedlung von Kransmoor (um 1830) und Langenfelde (um 1880) sowie der Eröffnung der Eisenbahnlinie Bremen – Geestemünde (1862) mit der Station Stubben veränderte sich die Gemeinde in mancher Hinsicht:
- Die Einwohnerzahl stieg von 268 im Jahr 1821 auf 745 im Jahr 1871.
- Handwerker und Gewerbetreibende ließen sich in größerer Zahl nieder.
- Molkerei (1904), Post (1907) und Bahn boten neue Arbeitsplätze.
- Die Hauptstraße (L 134) wurde gepflastert (1851), erneuert (1892/93) und verbreitert (1928).
Nach dem 1. Weltkrieg, besonders deutlich aber nach dem 2. Weltkrieg, hat sich die Einwohnerzahl der Gemeinde durch die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen (hauptsächlich aus Westpreußen und Bessarabien) und Evakuierten beträchtlich erhöht. Nach 1945 entstand dadurch die Siedlung Lehdeberg. Eine rege Bautätigkeit in den letzten 20 Jahren in der ganzen Gemeinde tat ein Übriges, so dass 2008 die Einwohnerzahl 2568 betrug.
Diese Entwicklung hat sich zwangsläufig auf das Ortsbild und das dörfliche Leben ausgewirkt. Die über Jahrhunderte hinweg durch die Landwirtschaft geprägte Struktur der Gemeinde veränderte sich allmählich. Die meisten Erwerbstätigen haben heute ihren Arbeitsplatz in der Industrie, sowie in Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben gefunden, überwiegend in den benachbarten Städten. Immer mehr wurde Bokel dadurch zu einer Wohngemeinde.
Wiederholt mussten finanzielle Anstrengungen unternommen und den Bürgern Belastungen zugemutet werden, um einerseits die allgemein gestiegenen Ansprüche auf den Gebieten Wohnen, Verkehr, Freizeit, Bildung und Versorgung maßvoll zu befriedigen und um andererseits die „Errungenschaften“ der modernen Zeit zu bezahlen:
- Elektrisches Licht gibt es seit 1920, eine Straßenbeleuchtung seit 1972.
- Öffentliche Wasserversorgung besteht seit 1962, die Abwasserentsorgung seit 1976, die Müllbeseitigung seit 1971.
- Ein Freibad existiert seit 1958, dass seit 1976 als „Waldbad“ von der Gemeinde betrieben wird.
- Kinderspielkreise wurden 1970 eingerichtet, der Kindergarten „Regenbogenland“ und das Gemeinde- und Jugendzentrum wurden 1978 gebaut.
- Der private Kindergarten „Wurzelzwerge“ im Ortsteil Langenfelde eröffnete im Jahr 2000.
- Einen Allgemeinmediziner gibt es seit 1983 und einen Zahnarzt seit 1986.
- Straßen, Wege und Gehwege wurden seit 1965 verstärkt ausgebaut.
- Die Hauptstraße (Ortsdurchfahrt L 134) wurde 1988/89 erneuert und mit einem beiderseitigen Geh- und Radweg ausgebaut.
- Im Rahmen der Flurbereinigung wurden mit Zuschüssen aus dem Dorferneuerungsprogramm zwischen 1993 und 2006 zahlreiche gemeindliche und private Baumaßnahmen zur Renovierung/Sanierung von Straßen, Plätzen, Gärten und Gebäuden durchgeführt.
Schulen
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (ca. 1803) stellte die Gemeinde gegen eine Bezahlung von 78 Thalern zum Schrecken aller Kinder den ersten Lehrer (Fricke) ein. Der Unterricht fand zunächst in Frerichs Haus (Hauptstraße) statt. Wenig später wurde ein von der Höllingschen Stelle (Auf dem Brink) erworbenes Gebäude zwischen dem heutigen Schullandheim und Frerichs Hof errichtet und als Schulhaus benutzt. Jeder im Dorf musste damals zur „Bestreitung der Kosten“ 4 Thaler bezahlen. Bereits 1869 reichte dieses Gebäude nicht mehr aus. Man verkaufte es für 54 Thaler, 4 Groschen und baute für 1521 Thaler, 17 Groschen und 3 Pfennige die erste einklassige Schule (heute Schullandheim). Wenige Jahre später musste wieder Platz geschaffen werden, und man baute 1884 für 6450 Mark zusätzlich ein zweiklassiges Schulhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Wegen der großen Entfernungen in der Gemeinde und der abenteuerlichen Wegeverhältnisse früherer Zeiten konnten die damals noch zahlreichen Kinder aus den Ortsteilen Kransmoor und Langenfelde die Bokeler Schule nicht besuchen. Weitere Schulbauten waren also erforderlich. 1850 entstand die Kransmoorer und 1903/04 die Langenfelder Schule.
Bereits um 1938 tauchte der Gedanke einer „Mittelpunktschule“ für die Schüler der ganzen Gemeinde auf, wurde aber wegen der Schülerbeförderungskosten von der Regierung verworfen. Seit Mitte der 1970er Jahre ist dieser Gedanke doch Wirklichkeit geworden, denn alle Schüler im Grundschulalter besuchen die in den Jahren 1953/54 erbaute und 1964/65 erweiterte dritte neu erbaute Bokeler Schule in der Mühlenstraße,die mit der Errichtung der Turnhalle 1973/74 ihren Bauabschluss gefunden hat.
Vereine
Seit 121 Jahren gehören örtliche Vereine zum dörflichen Leben. Ein Blick in die chronologische Auflistung der zahlreichen Vereine zeigt, dass ein breit gestreutes Freizeitangebot für die verschiedensten Interessen gemacht wird:
- Gesangverein M.G.V. „Harmonia“, 1889
- Kameradschaft ehemaliger Soldaten, 1893
- Schützenverein Bokel, 1904
- Freiwillige Feuerwehr Bokel, 1911
- MTV Bokel, 1922
- Schützenverein Gackau „Zur Goldenen Aue“, 1927
- Die Landfrauen, 1950
- Schützenverein Langenfelde Kransmoor, 1951
- Spielmannszug des MTV Bokel, 1952
- DRK Bokel, 1953
- SG Langenfelde, 1954
- Evangelischer Seniorenkreis, 1970
- Volkstanzgruppe Bokel, 1975
- Tennis Club Bokel, 1976
- LAV Bokel, 1981
- Interessengemeinschaft Bokel und Stubben, 2003
- Förderverein „Großes Moor“, 2004
Ausblick
Wie in anderen Dörfern ist die Einwohnerzahl Bokels (leicht) rückläufig - am 30.06.2009 betrug sie 2550. Auf diese Veränderung stellt sich die Gemeinde ein und hat mit ihrer Lage in schöner Natur, der relativ günstigen Verkehrsanbindung und Infrastruktur und den Angeboten an Versorgung, Dienstleistung, Freizeitgestaltung, Zusammenleben und Mitarbeit gute Zukunftschancen.
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